Anonymer Verfasser
Das Tagebuch der Mademoiselle S.
Die Memoiren einer Sängerin
Vorwort
Mit der vorliegenden Ausgabe des »Tagebuchs
der Mademoiselle S« hat es der Verlag unternommen, eines der
bekanntesten Werke der erotischen Weltliteratur neu
herauszugeben. Es sind die Memoiren einer bis in die Jetztzeit
bekannten und weit über die Grenzen ihres Heimatlandes
berühmten Bühnendarstellerin, deren Namen hier verschwiegen
bleiben soll.
Was Mademoiselle S aus ihrem Leben zu
berichten weiß, ist oft derb und unverbrämt anmutend, doch
stets mit Delikatesse in Worte gekleidet. Mademoiselle S weiß
Folgen und Nutzanwendung aus dem Erlebten zu ziehen und läßt
auch ihrem Freund und Gönner gegenüber keine Zweifel offen, daß
sie aus ihrem Geschick zu lernen wußte. Sie hat die Freuden
eines ausschweifenden Lebens ebenso kennengelernt wie die
Gefahren – und sie warnt mit erhobenem Zeigefinger jede und
jeden, der in die Fußstapfen ihres eigenen Lebens treten
könnte. Der Leser wird mit den Schilderungen der Mademoiselle S
in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts versetzt – einer Zeit,
die sich nach außen hin bewußt verschlossen gab und nur
anzudeuten wagte, wo offene Worte das Durchbrechen eines Tabus
bedeutet haben würde. Eines Tabus, das alles, was die
Beziehungen zwischen den Geschlechtern betraf, als nicht
existent betrachtete. Um so höher ist zu werten, daß
»Mademoiselle S« es wagte, ihre Liebesprobleme offen vor ihrem
ärztlichen Freund in einer Reihe von Briefen darzulegen und
damit ein zeit- und sittengeschichtliches Dokument zu
schaffen.
Mit dem »Tagebuch der Mademoiselle S« gibt
der Verlag ein Buch an seine Leser weiter, das die Moral aus
der Unmoral heraus ableitet und zugleich in seiner Diktion,
obwohl die Autorin ungewöhnlich offen schreibt, auf der
»gesellschaftsfähigen« Ebene bleibt. Dem Zug der Zeit folgend
wurden bei der Bearbeitung verschiedene Passagen der heutigen
Auffassung entsprechend formuliert, doch beeinträchtigen sie
das Original im wesentlichen nicht. Möge auch der Leser die
Nutzanwendungen aus den Briefen ziehen, die Mademoiselle S in
ihrer Darstellung fand.
Der Herausgeber
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