Anonymer Autor
Peperl Mutzenbacher
Vorbemerkung
Wie's halt so geht im Leben. Reich und
berühmt war sie geworden, die Josefine Mutzenbacher, hatte mehr
Männer gehabt, als jede Frau auf dieser Welt. Aber wie sie dann
gegen die vierzig ging, wollte sie plötzlich das Leben, was
fast jede andere Frau auch hat: Ein Kind. Ein Kind, hat sie
sich gedacht und dann nicht mehr. Denn alles hat sie werden
wollen, nur keine alte Hur.
Sie hat auch ein Kind gekriegt. Nur den
ersten Schrei hat sie nicht mehr hören können. Die Fut, die
schon so viele Schwänze drinnen gehabt hat, ist bei der Geburt
zerrissen. Einen Tag später war die Josefine Mutzenbacher
tot.
Ihr Begräbnis war ein einmaliges Ereignis
für Wien, ein sechs Kilometer langer Leichenzug, der nur aus
Männern bestand. Dabei folgten dem Sarg nicht einmal ein
Viertel all ihrer Freunde. Ein damals sehr bekannter Dichter
hat sogar ihren Nachruf gehalten. Er war dreißig Strophen lang
und die erste lautete:
»Sterbe nur du süßer Hurenknochen,
mit dem Ficken hats ein End.
Schwänze die dich einst bestochen,
schiffen dir aufs Ornament.«
Das Kind, die kleine Pepi, ist dann zu einem
Bruder der Josefine und seiner Frau in Pflege gekommen.
Ein paar Jahre ist es ihr dort auch ganz gut
gegangen – bis die beiden das Erbe der Josefine verjuxt haben.
Nachher war die Pepi genau so arm und elend dran wie ihre
Mutter vor fünfunddreißig Jahren.
Arm war sie, aber nicht blöd.
Sie hat ja nicht umsonst eine Josefine
Mutzenbacher zur Mutter gehabt.
Erstes Kapitel
Spähend reckt sich der zerstrubbelte Kopf der Frau
Aloisia Mutzenbacher aus dem Souterrainfenster der
Hausmeisterwohnung. Suchend geht ihr Blick über den
finsteren, schmutzigen Hof, in dessen Ecken die Mistkisten
aufgestapelt sind.
Pepi, Pepi, schreit sie laut, wo nur das Saumensch
wieder steckt? Na wart, dera werd ich den Arsch zuanahn,
wanns ham kummt. Pepi!
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